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Ankommen im Projekt

Das Ziel der Plataforma dos Centros Urbanos ist es, dazu beizutragen, dass die Rechte aller Kinder und Jugendlichen, die in bedürftigen Gemeinden großer brasilianischer Städte leben, geschützt, respektiert und garantiert werden. Dies soll durch die Entwicklung und Verwaltung von Politik, den Verhaltensweisen der Familie, der Regierung und der Gesellschaft erreicht werden. Ebenjene Akteure, die auch von der brasilianischen Verfassung dazu bestimmt wurden, Verantwortung für Kindheit und Jugend zu übernehmen.



Diese Definition haben wir im Vertrag des Projektes gefunden, in dem wir nun schon seit über einem Monat arbeiten: Der "Plataforma dos Centros Urbanos" (Plattform der Urbanen Zentren).
Glaubt uns, wir haben lange überlegt, wie wir euch erklären können, worum es in diesem Projekt geht. Wo sollen wir anfangen?

Die Plattform bezieht so viele Organisationen mitein, von denen CIEDS und UNICEF nur ein Bruchteil sind, besteht aus hunderten von kleinen Etappen und ist in der ganzen Stadt präsent. Initiator des Projekts ist der NGO-Riese UNICEF, der andere NGO´s (eine davon ist CIEDS) damit beauftragt, Bausteine des Projekts zu koordinieren. In der gesamten Stadt nehmen 63 Gemeinden Teil, von denen jede ca. 5.000 Familien umfasst.
Es folgt ein kurzer Ausschnitt aus einer Mail, die Philippe seinen Eltern vor 2 Wochen geschrieben hat:

"Die Communities, oder halt einfach Gemeinden, sind Gruppen von Leuten, die sich in bestimmten Regionen zusammengetan haben um in ihrer lokalen Parzelle unter der Koordination des Projektes genau diese Ziele zu erreichen.
Wer als Community anerkannt wurde und wie sich deren Ausdehnung definiert, unterlag bestimmten Kriterien. Um als Gemeinde teilnehmen zu können, musste im Vorhinein beispielsweise einige autonome Vorarbeit geleistet werden. Beispielsweise musste eine vorgegebene Verwaltungsstruktur nachgewiesen werden, in der bestimmte Gemeindemitglieder sich bereiterklärten, von dem Projekt definierte Ämter einzunehmen.
Die Methode zur Umsetzung des Projektes folgt dabei dem Entwicklungspolitischen "Hilfe zur Selbsthilfe"-Prinzip (Metaphorische Erklärung: Wir geben ihnen keinen Fisch zu essen, sondern wir lehren ihnen das Angeln). Einfach gesagt: Das Projekt Plataforma ist im wahrsten Sinne des Wortes nur Koordination der Aktionen, die zur Verbesserungen der Situationen führen soll. Organisation, Ausführung und Initiative soll im besten Falle komplett durch die Communities selbst geschehen. Weil dies natürlich nicht reibungslos funktioniert, existieren die Teams, bestehend aus 2 "Facilitadores", was man mehr schlecht als recht mit "Vereinfacher" übersetzen könnte, sie sind angestellt im Projekt und unterstützen, begleiten und Betreuuen die Gemeinden bei der Ausführung der Pläne. Dazu gehen sie auch direkt in die Gemeinden, nehmen an Foren teil etc.

Anne und ich sind nun einfahc als Unterstützung mit eingesprungen, wir haben zwar auch die Möglichkeit mit in die Communities zu gehen, an Foren teilzunhemen usw. sind aber mehr in der Funktion eines Kontaktes hier im Büro. Wenn beispielsweise ine neues Treffen im Forum beschlossen wird, oder ein Beamer organisiert, eine Lokalität bestätigt, eine Person informiert werden muss, ruft uns unser zugeteiltes Doppel an - mehr oder weniger eine Sekretär-Funktion also.
"

Und hier könnt ihr lesen wie Anne sich abgemüht hat, Freunden und Eltern das Projekt zu erklären:

"Wie gesagt, es gibt eigentlich zu wenig Mitarbeiter für die Plataforma bei CIEDS (rund 12) für 63 Gemeinden!! Dementsprechend hektisch, unregelmässig und überaus dynamisch ist auch der Rhytmus der Arbeit. Meine Aufgabe besteht im Wesentlichen darin ein "Doppel" (bestehend aus 2 Leuten: Vanessa und Dimas) als Assistentin zu unterstützen, das heisst Anrufe zu erledigen, ihre wöchentlichen Termine zu organisieren, da einzuspringen wo es gerade brennt und den beiden zuhören, wenn sie sich ihre Sorgen von der Seele reden. Stück für Stück wird mir mehr übertragen und jeden Tag, der vergeht steige ich besser hinter die komplexen Strukturen und Probleme jeder Gemeinde. Ich liebe Vanessa und Dimas, die beiden sind mir schon nach sehr kurzer Zeit ans Herz gewachsen und wir reden sehr viel und machen auch viel ausserhalb der Arbeit zusammen. Vanessa ist 28, hat Geographie studiert und ist sehr hektisch, engagiert, immer besorgt, klug, neugierig und herzlich. Dimas ist 22, Schauspieler, Dichter, Akrobat, in der Peripherie mit all ihren Schwierigkeiten aufgewachsen und auf eine impulsive, energetische, fröhliche aber furchtbar unorganisierte Art immer in Bewegung.
Es ist wunderbar mit beiden zusammen zu arbeiten und ich lerne so viel: Vanessa erklärt mir alles, macht mich zur Komplizin ihrer Pläne und ist super organisiert, was für mich den Einstieg in die Arbeit sehr erleichtert. Und Dimas ist in der Lage, mit allen möglichen Menschen in Kontakt zu kommen und Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Manchmal glaube ich, er liest Menschen einfach wie Bücher.

Hmm, ich glaube, das erkläart aber noch nicht was Vanessa und Dimas eigentlich machen. Also, die beiden sind auch von CIEDS und kümmern sich darum, dass die 23 Gemeinden, die sie betreuen, jede Etappe des Projektes bewältigen (das finde ich übrigens das Spannendste an Projektarbeit... die Arbeit ist in Etappen und Zwischenziele organisiert (so ist es in der Projektplanung vorgesehen), das heisst, dass es keinen Routineablauf gibt, sondern praktisch jede Woche eine neue Hürde zu bewältigen ist). Im Moment sind alle Repräsentanten der Gemeinden dabei, Foren zu organisieren (also jede Gemeinde einzeln), um das Projekt der Gemeinde vorzustellen und gemeinsam die Hautprobleme ihres Umfeldes definieren, z.B. könnte eine Gemeinde als Schlussfolgerung seiner Diskussion in seinem Forum als Hauptproblematik die Gewalt gegen Minderjährige definieren, oder das fehlen von ärtztlicher Betreuung, oder den Mangel an öffentlichen Räumen und Tagesstätten. Die Idee ist, diese Schlussfolgerungen im Folgenden an die UNICEF weiterzuleiten, damit diese spezielle Programme für jede Gemeinde entwicklen kann und nicht auf 0815-Hilfsformate zugreifen muss.
 

Natürlich ist das, was ich hier schreibe nur die minimale Kurzfassung. Es ist alles ein kompliziertes Zusammenspiel zwischen den verschiedenen NGO´s, in welchem jeder Schritt einen furchtbar genauen Ablauf und feste Anforderungen besitzt, die Grenzen der Verantwortlichkeiten aber oft verschwimmen.

Das Tollste für mich ist, selbst in die Gemeinden zu fahren und die Leute dort kennenzulernen. Bis jetzt habe ich 5 Gruppen im Rahmen von Versammlungen und Foren besucht und jede hatte ein vollkommen anderes Profil. An manchen Orten gibt es einen sehr hohen Ausländeranteil (Bolivianer, die fast unter Sklavenbedingungen arbeiten und bis jetzt keinerlei Rechte hatten), manche Gemeinden haben eine lange politische Tradition, sind daran gewöhnt, Dinge zu organisieren und sich zu manifestieren... für andere ist es Premiere und sie müssen erst lernen, die Aufgaben zu verteilen. Manche Orte sind Favelas: improvisierte Häuser ohne Strassen, wo jeder jeden kennt und andere bestehen nur aus grossen anonymen Hochhäusern mit dicken Mauern drum herum. Manche Gemeinden befinden sich im Stadtzentrum, wo Autos und Busse durch die Strassen rasen, andere an der Stadtgrenze, fast schon im immergrünen Regenwald (ein faszinierender Anblick dieser Wald!!!). Auch die Zusammensetzung jeder Repräsentantengruppe ist sehr unterschiedlich: Schüler, Hausfrauen, Akademiker, Analphabeten, Arbeiter, Krankenschwestern, Mütter usw. Immer anders! Immer eine andere Dynamik" 



So ihr Lieben, wir hoffen, dass wir euch nicht mehr verwirrt, als Aufgeklärt haben. Bald gibt es mehr, und es wird weniger theoretisch. Versprochen!
Soweit allso alle Klarheiten beseitigt? Bis bald, eure chaotischen Entdecker.


AP






2 comments:

  1. Liebe chaotische Entdecker,
    sehr erfreut über eure Bemühen euren besorgten und ahnungslosen berliner freunden nahe zu bringen, was es in dem Wald von Problemen für euch konkret zutun gibt!
    Das wohl meistverwannte Wort scheint mir "Projekt"..
    Love, Luise

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  2. Ja Luise... jetzt wo ich mal wieder rüberlese, habe ich Angst, dass wir mehr Fragen als Antworten geschaffen haben.
    Lieb dich!!
    Anne

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